„Feuerwehrdelegationen“ aus Amarante und Vila Meã in Wiesloch

Städtepartnerschaften der Stadt Wiesloch

„Feuerwehrdelegationen“ aus Amarante und  Vila Meã in Wiesloch

Große Freude herrscht stets im Rathaus bei den Verantwortlichen für die Wieslocher Städtepartnerschaften, wenn, wie dieser Tage geschehen, eine Delegation aus einer Partnerstadt der Weinstadt zu Gast ist. Jüngst konnte man Besuch aus der portugiesischen Partnerstadt Amarante empfangen. Da dieser ganz im Zeichen der Feuerwehr stand, war das umfassende Programm am Wochenende speziell darauf zugeschnitten.


Der Abordnung gehörten von Seiten der Stadt Amarante Stadtrat Dr. Andriano Santos als Vertreter des Stadtpräsidenten sowie der für Zivil- und Katastrophenschutz zuständige Mitarbeiter der Stadt Hélder Ferreira an. Die Feuerwehrdelegationen wurden von den Kommandanten Rui Ribeiro aus Amarante sowie António Ferreira aus Vila Meã geleitet. Während die erste Begrüßung durch die Wieslocher Feuerwehr bereits auf dem Frankfurter Flughafen erfolgte, ließen Oberbürgermeister Dirk Elkemann und Bürgermeister Ludwig Sauer es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich in der Feuerwache in Wiesloch willkommen zu heißen. Beim Rundgang durch die Feuerwache erläuterte Stadtbrandmeister Peter Hecker Aufgaben, Aufbau und Alarmierung der Feuerwehr in Wiesloch und seinen Stadtteilen. Dem stv. Abteilungskommandanten Marco Friz oblag es, die Ausstattung und Ausrüstung der Feuerwehr anschaulich darzustellen. Mit Hilfe der Übersetzung durch Paula Ramos, Peter Christiansen und Antonio Pereira gelang es rasch, in einen Dialog über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in beiden Systemen einzusteigen.


So sind die beiden Feuerwehren Amarante und Vila Meã für den gesamten Kreis bzw. die Region Amarante mit ca. 53.000 Einwohnern zuständig. Auch aufgrund der Tatsache, dass die „Bombeiros voluntários“ – wie die Freiwillige Feuerwehr auf Portugiesisch heißt – den gesamten Kranken- und Rettungsdienst mit übernehmen, verfügen sie über viele hauptamtliche Kräfte. Ein großer Schwerpunkt liegt in Portugal bei der Waldbrandbekämpfung. So werden sehr wendige und geländegängige Fahrzeuge mit größeren Wasservorräten vorgehalten. Die Feuerwehr Amarante besitzt zusätzlich noch einen großen Sattelschlepper mit Tankauflieger, mit dem 32.000 Liter Löschwasser an Einsatzstellen geschafft werden können. Auch die persönliche Schutzausrüstung der Portugiesen trägt mehrstündigen Einsätzen im unwegsamen Gelände Rechnung. Sehr erfreulich ist, dass sich auch in Portugal viele Jugendliche der Freiwilligen Feuerwehr als Kadetten anschließen. Da eine Gruppe der Wieslocher Jugendfeuerwehr mit ihrem Löschfahrzeug gerade zu einer Übung ausrückte, bestand auch hier Gelegenheit zu einem Austausch.


Nach einem leckeren Abendessen im Feuerwehrhaus, das Birgit und Michael Bader wie immer gekonnt vorbereitet hatten, saß man gemütlich zusammen, wobei immer wieder interessante Details für Erstaunen sorgten. So gibt es in Portugal einen Wettbewerb unter den Feuerwehren, bei dem diejenige örtliche Gliederung, die den meisten Elektroschrott sammelt, einen Rettungswagen als Preis bekommt. Ganz verständlich, dass man in Amarante besonders stolz ist, auf diesem Weg schon einmal ein Fahrzeug erhalten zu haben.


Am Samstagmorgen machten sich Gäste und Gastgeber gemeinsam mit den Löschfahrzeugen, Baujahr 1963 und 1988, auf den Weg nach Lambrecht in die Pfalz. Die dortige Freiwillige Feuerwehr veranstaltete aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens ein Feuerwehr-Oldtimertreffen. Der Einladung waren viele Feuerwehren aus Baden-Württemberg, Hessen und der Pfalz gefolgt, sodass sich die Portugiesischen Gäste ein schönes Bild über historische Feuerwehrfahrzeuge in Deutschland machen konnten. Interessant war aber auch eine spontan organisierte Besichtigung des aktuellen Fuhrparks der Feuerwehr Lambrecht. Für ein „Aha-Erlebnis“ sorgte dabei ein Unimog-Waldbrandlöschfahrzeug: Die Feuerwehr im Pfälzer Wald trägt damit bereits den zunehmenden Waldbrandgefahren Rechnung. Obwohl das Wetter an diesem Tag sich nicht von seiner besten Seite zeigte, war die Ausfahrt mit den historischen Feuerwehrfahrzeugen durch die pittoreske Landschaft um Neustadt sicher ein besonderes Erlebnis. Dazu trug auch der Besuch des Doms zu Speyer auf der Rückfahrt nach Wiesloch bei.
Am Sonntagvormittag stand eine Stadtführung durch Wiesloch auf dem Programm. Stadtrat Klaus Rothenhöfer, der bekanntlich auch dem Freundeskreis der Wieslocher Städtepartnerschaften vorsteht, verstand es wie immer ausgezeichnet, Interesse für die Wieslocher Historie zu wecken. Sowohl schöne Momente der Stadtgeschichte, als auch unrühmliche wurden von ihm prägnant und nachvollziehbar gewürdigt. Immer mal wieder ging er auf Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Partnerstädten ein und hob in diesem Zusammenhang ebenso die vielen Kunstwerke im öffentlichen Raum hervor, denn auch Amarante ist eine sehr kunstsinnige Stadt. Dem versierten Kenner gelang es, selbst den Wieslocher Teilnehmern noch viele interessante Dinge, die diese so noch nicht kannten, anschaulich zu erklären.


Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen der Stadt Heidelberg: Zunächst begab sich die Gruppe auf den Heidelberger Hausberg, den Königstuhl, wo die fantastische Aussicht genossen werden konnte. Ebenso beeindruckend war der Besuch im Heidelberger Schoss. Dann wurde das Programm mit der Besichtigung der Heidelberger Feuerwache wieder fachlich, aber nicht minder interessant und kurzweilig. Joachim Buchholz, hauptberuflich bei der Heidelberger Feuerwehr, ehrenamtlich bei den Freiwilligen der Weinstadt, nahm sich viel Zeit für die Gäste und zeigte ihnen kompetent seinen modernen Arbeitsplatz. Besonders die technischen Werkstätten für Atemschutz und Schlauchpflege stießen auf großes Interesse. Sehr Interessant auch das Taucherfahrzeug mit dem entsprechenden Equipment sowie die Trainingsstrecke für Atemschutzgeräteträger, auf der die Wehrleute unter möglichst realistischen Bedingungen für die schwierigen Einsätze vorbereitet werden.
Den Blick über den „Feuerwehr-Tellerrand“ ermöglichte ein Besuch beim THW-Ortsverband Wiesloch-Walldorf am Montagvormittag. Der gemeinsame Ortsverband hat seine Unterkunft im Gewerbegebiet von Frauenweiler gegenüber der dortigen Feuerwehrabteilung. Tobias Block, seines Zeichens Ortsbeauftragter des THW, und Zugtruppführer Lukas Hudelmayer beschrieben prägnant die Aufgaben der Bundesanstalt THW, die direkt dem Bundesminister des Innern untersteht und die sehr vereinfacht gesagt für die schwere technische Hilfeleistung auch im Ausland zur Verfügung steht. Mit der Feuerwehr wird sehr eng zusammengearbeitet, so wird beispielsweise die THW-Führung bei einer größeren Alarmstufe für die Feuerwehr Wiesloch gleich mitalarmiert.


Die wunderschöne und gepflegte Parkanlage des PZN mit seinem denkmalgeschützten Gebäudeensemble sollte jeder Besucher der Stadt gesehen haben. Daher wurde für Montagnachmittag eine Besichtigung organisiert. Zuvor informierte der Kommandant der Werkfeuerwehr der Klinik, Michael Milker, über seine Einheit. Er hob dabei die gute Zusammenarbeit mit der städtischen Feuerwehr hervor. So ist er selbst und sind weitere Wehrleute Angehörige beider Feuerwehren. Großes Plus der Werkfeuerwehr ist die gute Ortskenntnis, aber auch die genaue Kenntnis der besonderen Situation einer sehr großen und weiträumigen psychiatrischen Klinik.


Nach diesem gelungenen Abschluss eines kurzweiligen Wochenendes in Wiesloch hieß es für Gastgeber und Gäste Abschied zu nehmen. Beide Seiten waren sich einig, dass die Beziehung zwischen den Partnerstädten in den zurückliegenden Tagen nicht nur auf dem Feuerwehrsektor weiter vertieft werden konnten. Man freue sich, so die einhellige Meinung aller, ganz besonders auf den Gegenbesuch in Amarante. Neben den bereits genannten Personen gebührt Matthias Eberle und Thomas Hörner ein besonders Dankeschön für die Vorbereitung und Organisation des Besuchs seitens der Feuerwehr.

Geschrieben von Ludwig Sauer
Bearbeitet am Freitag, 14 Juni 2019
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