Die Wehr freut sich auf's Jubiläum

Feuerwehrabteilung Wiesloch wird 2013 150 Jahre alt – „Wir wollen das ganze Jahr präsent sein“

Die Wehr freut sich auf's Jubiläum

Wiesloch. (oé) Die Feuerwehrabteilung Wiesloch zählt zusammen mit der Abteilung Baiertal zu den traditionsreichsten Wehren im Kreis: Die Baiertaler feierten letztes Jahr ihr 150-jähriges Bestehen, die Abteilung Wiesloch ist dieses Jahr mit dem gleichen Jubiläum dran. Schon seit zwei Jahren bereiten sich Wieslochs Floriansjünger auf dieses Ereignis vor – kein leichtes Unterfangen zusätzlich zum Übungsbetrieb und den zahlreichen Einsätzen (siehe separaten Artikel). Zum Glück konnte man die zusätzliche Arbeit auf viele Schultern verteilen.
Feuerwehrleute „von jung bis alt“ haben an den Vorbereitungen fürs Jubiläum mitgewirkt, freut sich Abteilungskommandant Jürgen Bodri. Einen „Riesenaufwand“ bedeutete vor allem die Festschrift, die die 150-jährige Geschichte der Wieslocher Wehr in Wort und Bild darstellen soll. Ludwig Sauer, Projektleiter für das gesamte Jubiläum, verspricht eine Broschüre, die zum Lesen und Schmökern einladen will: angereichert mit Erlebnisberichten von großen Einsätzen, aber auch mit viel Fachwissen rund um die Feuerwehr.Erscheinen soll das Werk im März, wenn das Jubiläumsjahr so richtig Fahrt aufnimmt. „Wir wollen das ganze Jahr über präsent sein“, umschreibt Ludwig Sauer das Konzept. Das Jubiläum soll seinen Worten zufolge „nicht viel Geld kosten“ und die aktiven Feuerwehrleute auch „nicht zu sehr beanspruchen“. Vor allem deshalb, weil niemand absehen kann, wie sehr die Feuerwehrleute durch Einsätze gefordert werden.
Den Auftakt des Jubiläumsjahres bildet eine Großübung der Jugendfeuerwehr am 2. März auf dem Gelände der Firma Kissel und Wolf am Bahnhof. „Wir wollen die verschiedenen Facetten der Feuerwehr darstellen“, schildert Jürgen Bodri die Absicht der übers ganze Jahr verteilten Veranstaltungen. Einen solchen Aspekt macht zum Beispiel der Entsendungsgottesdienst für die neuen Feuerwehrseelsorger aus dem gesamten Kreisgebiet deutlich, der am 8. März in der Dreifaltigkeitskirche stattfindet. Feuerwehrseelsorger sind ehrenamtlich tätig, durchlaufen eine zweijährige Ausbildung und helfen Feuerwehrleuten, aber auch den Opfern von Unglücksfällen und deren Angehörigen bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse. Nach dem Totengedenken am 20. April auf Wieslochs Hauptfriedhof geht der Veranstaltungsreigen weiter mit einer Ausstellung historischer Feuerwehrfahrzeuge, die am 4. Mai im Rahmen der Oldtimerrallye „Kurpfalz Klassik“ in der Innenstadt stattfindet. Die Feuerwehr kooperiert dabei mit den „Freunden historischer Fahrzeuge“ und wird wohl auch ihr eigenes Traditionsfahrzeug aus dem Jahr 1964 präsentieren. Ein fester Termin im Jahreskalender der Floriansjünger ist der Tag der Helfer, der dieses Jahr am 11. und 12. Mai gemeinsam mit den anderen Hilfsorganisationen wieder rund um Feuer- und Rettungswache stattfindet.
Neues Fahrzeug kommt
Dann soll auch das neue Rüstfahrzeug für technische Hilfeleistungen in Dienst gestellt werden, das die Flotte der Feuerwehr mit ihren neun Einsatzfahrzeugen (und zwei Fahrzeugen der Jugendwehr) verstärkt. Als „Jubiläumsgeschenk“ wollen die Floriansjünger das neue Fahrzeug aber nicht verstanden wissen. Für sie ist es vor allem ein „Arbeitsgerät“. Gleichwohl ist man der Stadt dankbar, dass sie „die Notwendigkeit anerkannt hat. Obwohl die finanzielle Situation nicht so rosig ist“, so Sauer. Ein weiterer Höhepunkt ist am 21. September der Wieslocher Rettungstag auf dem Winzerfestplatz, wo die Bevölkerung Übungs- und Ausbildungseinheiten der Feuerwehr miterleben kann. Dabei soll auch über die ADAC-Rettungskarte aufgeklärt werden, die den Einsatzkräften im Ernstfall sicherheitsrelevante Informationen rund um das jeweilige Fahrzeug liefert. Etwa, wo an der Karosserie Spreizer und Schere anzusetzen sind. Oder wie eine nachträgliche Auslösung des Airbags verhindert werden kann. Der Besitzer sollte diesen „Steckbrief“ seines Autos griffbereit hinter die Vorderblende klemmen.
Das Jubiläum endet schließlich mit dem Festbankett am 26. Oktober im Palatin, zu dem die Feuerwehr prominente Gäste für eine Talkrunde erwartet. Die Organisatoren haben bereits beim Präsidenten des deutschen Feuerwehrverbandes und auch beim baden-württembergischen Innenminister angefragt. Tags darauf findet zudem auf Anregung von Ehrenkommandant Rainer Kircher ein Konzert mit den Malscher Letzenbergstaren und Fabienne Bender in der evangelischen Stadtkirche statt. Begleitend zu diesen Hauptereignissen gibt es im Jubiläumsjahr noch eine ganze Reihe kleinerer Veranstaltungen, oft zusammen mit Partnern: Ludwig Sauer nennt zum Beispiel die Lesung einer Kinderbuchautorin, die im Feuerwehrhaus ihr Buch über die Feuerwehr vorstellt (gemeinsam mit der Stadtbibliothek). Zudem wollen die Floriansjünger Geschäftsleute gewinnen, um deren Schaufenster mit Feuerwehrmotiven dekorieren zu können. Und schließlich ist auch ein Kurs mit der VHS geplant, bei dem Kinder und Jugendliche einen Tag bei der Feuerwehr verleben können.
Jürgen Bodri macht kein Geheimnis daraus, dass man damit auch ein wenig Nachwuchswerbung betreiben will. Noch ist Wieslochs Wehr personell bestens aufgestellt. Die aktive Mannschaft zählt 70 Einsatzkräfte, Männer wie Frauen; die Jugendwehr hat circa 40 Mitglieder; nicht zu vergessen die Alters- und Ehrenabteilung. Allerdings denkt man auch bei der Feuerwehr über die Folgen des demografischen Wandels und anderer Herausforderungen nach: etwa die Ganztagesschule, die künftig auch Auswirkungen auf die Jugendabteilungen der Feuerwehr haben könnte, oder die wachsende Beanspruchung im Berufsleben, mit denen das zeitintensive Ehrenamt Feuerwehr immer schwerer in Einklang zu bringen ist.

Geschrieben von Andreas Kloé (Rhein-Neckar-Zeitung)
Bearbeitet am Montag, 18 Februar 2013
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