Wer Hilfe leisten will muss gut trainieren | 2. Hilfeleistungstag 2009

Die Technische Hilfeleistung (Abkürzung: TH oder auch THL) bezeichnet einen Aufgabenbereich von Hilfsorganisationen (wie Feuerwehr, THW usw). Darunter fallen all jene Einsätze, die sich nicht oder nicht nur auf das Verwenden von Löschmitteln bzw. die Leistung notfallmedizinischer Hilfe beschränken.Dieser Begriff gilt dementsprechend für Einsätze, bei denen Aggregate, Maschinen oder technisches Wissen bereitgestellt werden müssen. Als technische Hilfeleistung zählt also schon das Bereitstellen von elektrischem Strom.(Quelle: Wikipedia.de).

In zwei von drei Einsätzen wurde die Feuerwehr Wiesloch in 2008 für solch eine technische Hilfeleistung angefordert. Entsprechend wird auch in der Ausbildung ein hoher Wert auf dieses breite Einsatzspektrum gelegt. Von der Öffnung einer verschlossenen Tür, der Verschalung eines zerstörten Fensters, bis hin zur schweren technischen Rettung von verschütteten Personen, Bau- oder Arbeitsunfällen lässt sich die technische Hilfeleistung schwer festschreiben. Oftmals ist ein dem Einsatzszenario angepasstes Improvisieren nötig, bei dem jedoch trotzdem höchster Wert auf Eigenschutz und Schutz der verunfallten Person oder des Gutes gelegt wird.Mit dem zweiten Hilfeleistungstag, nach dem Schwerpunkttag Verkehrsunfall im Frühjahr, trägt man bei der Wieslocher Feuerwehr genau diesem Thema Rechnung. Der städtische Bauhof diente jeweils aus Ausbildungsfläche.

Vier anspruchsvolle Einsatzszenarien hatten sich Marco Weissmann und Sebastian Hodapp nun für den Hilfeleistungstag am vergangenen Samstag ausgedacht: so wurde der erste Einsatz der Helfer erforderlich, nachdem sich ein großer Container beim Abladen auf einer Sandhalde selbstständig gemacht hatte. Ein Arbeiter, der das Abladen vom Trägerfahrzeug kontrollieren sollte, wurde im Sand nahezu vollständig verschüttet. Glück im Unglück war, dass der Container selbst oberhalb des Mannes auf dem Sandhaufen und einer Stützmauer – wenn auch sehr instabil – zum Stillstand kam. Für die Einsatzkräfte bestand allerdings nun die große Schwierigkeit, den Mann frei zu schaufeln, ohne dass Sand nachrutschte und schlimmstenfalls der Container auf den Mann und die Einsatzkräfte stürzte. Somit musste zunächst der Container mit Keilen, Holz, Leitern, Erdankern und Sprießen aus dem Rüstwagen gesichert werden. Ebenso wurde die Drehleiter, die auch als Kran eingesetzt werden kann, in Stellung gebracht. Nachdem der Container mit der Drehleiter angehoben worden war, konnte der Mann – dargestellt durch einen Dummy – befreit werden. Nach der Manöverkritik und dem Auswechseln der Mannschaften, wartete auch schon die nächste Einsatzlage auf die Helfer. Dieses Mal war ein Handwerker bei Dacharbeiten durch das Dach auf eine Plattform innerhalb der Werkshalle gestürzt, wo er schwer verletzt liegen blieb. Beim Eintreffen der drei Feuerwehrfahrzeuge kümmerten sich bereits Rettungssanitäter, die über eine Leiter – eine andere Zugangsmöglichkeit gab es nicht – auf die Zwischendecke hoch gestiegen waren, um den Verunfallten. Den Feuerwehrmännern oblag es nun, den Verletzten möglichst schonend  auf „Erdbodenniveau“ zu bringen, was letztlich mit Hilfe des Rettungspodestes vom Rüstwagen, der Schleifkorbtrage der Drehleiter sowie einer Schaufeltrage gelang. Das Arbeiten mit mehreren Helfern auf engstem Raum stellte dabei eine große Herausforderung dar. Der dritte Einsatz wieder in geänderter Besetzung ähnelte dem ersten, denn auch in diesem Fall war eine Person unter einer Last (Betonblock) auf instabilem Grund (Schotterhalde) verschüttet. Ein zweiter Betonblock drohte auf den ersten abzurutschen und somit das Unfallopfer und die Einsatzkräfte massiv zu schädigen. Erneut mussten daher Dielen, Balken, Keile, Erdanker und weiteres Gerät aus den Einsatzfahrzeugen, deren zweckmäßige und sichere Aufstellung ebenso bewertet wurde, zum Absichern in Stellung gebracht werden. Die Befreiung des Opfers gelang letztlich mit einem Hebekissen. Nach der Mittagspause erwartete die Helfer eine schlimme Notlage aus dem forstwirtschaftlichen Bereich. Ein Waldarbeiter war zwischen mehreren Baumstämmen eingeklemmt. Zu den bisher schon genannten Geräten, fanden bei dieser Übung auch Motor- Kettensägen Verwendung. Vorsorglich waren außerdem auch ein Greifzug sowie die Seilwinde des Rüstwagens bereitgehalten worden. Mit der Kranvorrichtung der Drehleiter wurde einer der Baumstämme angehoben, wodurch das Opfer letztlich frei kam.

Bei der Abschlussbesprechung dankte Abteilungskommandant Jürgen Bodri ganz besonders den beiden Übungsleitern, die beim realistischen Präparieren der Unglücksstellen von Gerd Kirschenlohr mit dem Traktor des Grumbwiesenhofs unterstützt worden waren. Sein Dank galt aber auch dem Bauhofleiter Jürgen Ronellenfitsch für das Bereitstellen des Übungsgeländes, der Küchenmannschaft für das Frühstück und Mittagessen sowie natürlich den Übungsteilnehmern für das große Engagement. Nachdem alle Fahrzeuge und Geräte nach dieser großen Inanspruchnahme gereinigt und gewartet waren, konnten sich die Wehrleute dem verdienten Restwochenende widmen.Bilder finden Sie in der Galerie.
Geschrieben von Marco Friz
Bearbeitet am Sonntag, 25 Oktober 2009
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