Realistische Einsatzübungen erforderten großen Aufwand

Verhieß schon das Alarmstichwort „Person unter Container“ nichts Gutes, so übertraf die Lage am Einsatzort die schlimmsten Erwartungen des Feuerwehr-Einsatzleiters: ein tonnenschwerer, mit Gesteinsbrocken gefüllter Container hatte beim Abladen einen Arbeiter unter sich begraben; und dies alles noch auf einer Gefällstrecke. Der mit einem Löschfahrzeug und dem schweren Rüstwagen eingetroffenen Feuerwehr-Mannschaft blieb nicht viel Zeit, verschiedene Rettungsmöglichkeiten abzuwägen. Vielmehr galt es, den Schwerstverletzten schnell, aber dennoch sicher und möglichst schonend aus seiner lebensbedrohlichen Situation zu befreien. Dabei durften natürlich die Einsatzkräfte selbst nicht gefährdet werden. Daher wurde der Container als Erstmaßnahme mit der Seilwinde des Rüstwagens gegen weiteres Abrutschen gesichert. Auch bei den Felsbrocken im Container selbst musste gewährleistet werden, dass diese sich nicht bewegen konnten. Eine Erschütterung durch Verrutschen der schweren Ladung hätte schlimmste Konsequenzen nach sich gezogen. Nach diesen erforderlichen Sicherungsmaßnahmen wurde der Container mit Büffelwinden sowie Schwerlasthebekissen vorsichtig angehoben. Dabei musste ständig mit stabiler Holzkonstruktion unterbaut werden, um auch beim Anheben böse Überraschungen durch Abrutschen des Containers ausschließen zu können. Die Besatzung des Rettungswagens des DRK Wiesloch nahm sich während der gesamten Rettungsmaßnahme des Schwerverletzten an, immer in Absprache mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr. Nach einer aufwendigen Rettungsaktion konnte der Arbeiter letztlich befreit werden, wodurch die erste Übungsaufgabe bei der dritten Ganztagesausbildung der Wieslocher Feuerwehr in diesem Jahr gelöst war.

Von einer Pfählungsverletzung spricht man, wenn pfahlartige Gegenstände in einen Körper eindringen oder diesen gar durchdringen. Eine derartige Einsatzlage erwartete die zweite Einsatzmannschaft. Unglücklicherweise hatte sich der schwere Arbeitsunfall, so die Übungsannahme, auf schwierigem Gelände – dargestellt durch einen Sandhaufen – ereignet. Es galt somit auch hier, vor der eigentlichen Rettung den schwer verletzten Arbeiter zu stabilisieren. Nachdem diese Herausforderung gelöst war, kam zum Abtrennen des eingedrungenen Metallteils der Plasmaschneider zum Einsatz. Dieses Spezialgerät, welches schon zu einem ähnlichen Echteinsatz nach Östringen angefordert worden war, trennt Metall nahezu erschütterungsfrei, erhitzt das Material aber bei weitem nicht so stark wie ein herkömmliches Schweißgerät. Nachdem der eingedrungene Gegenstand somit stark verkürzt war, konnte der Verletzte dem Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergeben werden. Im Realfall würde dem Unfallopfer der noch im Körper befindliche Teil des Gegenstands dann in der Klinik operativ entfernt werden.

Als drittes Szenario blieb der alarmierten Einsatzcrew ein weiterer und ebenso diffiziler Arbeitsunfall nicht erspart. Die Einsatzlage – Mechaniker unter einem ursprünglich aufgebocktem PKW eingeklemmt – erforderte ebenfalls schnelles und überlegtes Handeln sowie sichere Kenntnis und Beherrschung des Geräts. Wie bei den vorangegangenen Übungen wurden die ergriffenen Maßnahmen nach Abschluss der Übung (selbst)kritisch erörtert: Liefen die Maßnahmen schnell, aber zu jedem Zeitpunkt sicher ab? Wurde das am besten geeignete Gerät vorgenommen? Hätte es andere, womöglich bessere Alternativen gegeben? Klappte die Zusammenarbeit im eigenen Team und auch mit dem Rettungsdienst oder gab es Reibungsverluste? Bei Übungen können oder dürfen Fehler gemacht werden, im Einsatzfall wären diese meist unverzeihlich.

Da bei den drei beschriebenen Übungen immer nur ein Teil der Wehrleute zum Einsatz kam, hatte die Übungsleitung unter Michael Roth auf dem Gelände des städtischen Bauhofs weitere Ausbildungsstationen vorgesehen: So behandelten die Teilnehmer in einer Station in Theorie und Praxis die Stromerzeugung mittels Aggregat sowie die Stromverteilung. Dabei wurden insbesondere die maximalen Leitungslängen mit physikalischen Hintergründen erklärt. In einer weiteren Station erklärte Elke Kälicke, ihres Zeichens Feuerwehr-Seelsorgerin aus Horrenberg, welche Maßnahmen zu treffen sind, wenn Tiere in Not sind.  Wie können Pferde sicher aus einem brennenden Stall gerettet werden? Was ist zu tun, wenn Schäferhund „Wotan“ sein bewusstloses Herrchen oder Frauchen gegenüber den Rettern verteidigt? Da die Feuerwehr bekanntlich Helfer in der Not von Menschen und Tieren ist, sind die Antworten auf diese Fragen und viele andere Verhaltensregeln äußerst wichtig. Ebenso wichtig ist – wie bereits erwähnt – die sichere Beherrschung der Gerätschaften auf den Einsatzfahrzeugen und die Kenntnis von deren Einsatzmöglichkeiten, aber auch deren Grenzen. Diesem Thema nahm sich eine andere Ausbildungsstation an. Mit speziellen Maßnahmen bei Forstunfällen befasste sich die letzte Übungseinheit an diesem arbeitsreichen Tag, der nach Ansicht der Teilnehmer ein voller Erfolg war.

Dies sah auch Abteilungskommandant Jürgen Bodri so, der dem Leitungsteam – neben Michael Roth gehörten diesem Sebastian Hodapp, Andreas Schweinfurth, Bastian Martin und Gerhard Kirschenlohr an – herzlich für die Ausarbeitung dankte. „Jeder der Anwesenden konnte wieder etwas Neues aufnehmen und seinen Erfahrungsschatz erweitern. Dies sei auch notwendig, um die Geräte auch in Stresssituationen sicher zu beherrschen“, so Bodri.

Einen besonderen Dank richtete er an die DRK-Bereitschaft Wiesloch, die zwischendurch zu einem Großeinsatz nach Dielheim ausrücken musste, den städtischen Bauhof für die Überlassung des Geländes sowie die Lackiererei Schüttler und die Metzgerei Hörner für die logistische Unterstützung. Hervorzuheben ist auch das Engagement der Feuerwehr-Seelsorgerin Elke Kälicke, die sich nicht nur viel Zeit nahm, sondern auch viel Fachwissen einbrachte, um den Feuerwehrleuten das Thema „Tierrettung nahe zu bringen. Aus den eigenen Reihen dankte der Abteilungskommandant außerdem Michael San Jose (Beschaffung des Übungsfahrzeugs), Harry Kühni (Verpflegung) und Jonas Mittenzwei (Fotodokumentation). Die Aufzählung der Helfer verdeutlicht eindrucksvoll, dass ein derartiger Übungstag sehr aufwändig ist und dies sowohl in personeller, als auch in sachlicher Hinsicht. Unterstützer für die Feuerwehr sind daher auch immer gern gesehen, sei es als aktives oder förderndes Mitglied oder als Sponsor.

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Geschrieben von Ludwig Sauer
Bearbeitet am Donnerstag, 24 November 2011
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