Gesamthauptversammlung der Feuerwehr | Auswirkungen der Steuerausfälle auf Arbeit

Eigentlich hätte es am vergangenen Freitag eine ganz „normale“ Hauptversammlung  der Wieslocher Gesamtwehr geben sollen. Da keine Neuwahlen anstanden, wären die Tätigkeitsberichte aus den Fachgebieten im Vordergrund gestanden. Überschattet war die Versammlung der Wieslocher Feuerwehr jedoch von der aktuellen Finanzsituation der Stadt durch den dramatischen Gewerbesteuerrückgang. Sowohl Stadtbrandmeister Peter Hecker, als auch weitere Verantwortliche der Feuerwehr machen sich nämlich große Sorgen, dass dringend notwendige Ausrüstungsgegenstände nicht mehr ersetzt werden können. Schon für den aktuellen Haushalt hatten sich die Gremien aus allen Abteilungen mit der Verwaltung  auf ein absolutes Minimum geeinigt. Wenn dies nun auch in Frage gestellt werde, sei das nicht länger zu vertreten. So wird gerade ein neues Löschgruppen-fahrzeug LF 20/16 für die Feuerwehrabteilung Wiesloch europaweit ausgeschrieben. Diese Ersatzbeschaffung für ein über 30 Jahre altes Fahrzeug aus Baiertal darf unter keinen Umständen gestoppt werden, denn nur unter nicht mehr vertretbaren Kosten könne die Einsatzbereitschaft des „Oldies“ überhaupt noch aufrechterhalten werden. Mangelnde Zweckmäßigkeit und ein immer länger werdender Investitionsstau stehen hier noch nicht einmal im Vordergrund. Bürgermeisterin Hänsch sicherte den Wehrleuten zu, sich für die Beschaffung stark zu machen, zumal durch das Aussetzen der Maßnahme auch der Landeszuschuss in Frage stehen dürfteEröffnet wurde die Versammlung vom stellvertretenden Stadtbrandmeister Rolf Krämer, der die Ehrengäste und die Feuerwehrangehörigen begrüßte. Der Einladung waren seitens der Stadtverwaltung Bürgermeisterin Ursula Hänsch, die Fachbereichsleiterin Andrea Gärtner, der Fachgruppenleiter Michael Kühn sowie die Sachbearbeiterin für Feuerwehrangelegenheiten Frau
Sabine Wieder   gefolgt. Daneben wohnten Unterkreisführer Jürgen Förderer, zahlreiche Ehrenkommandanten der Feuerwehr Wiesloch sowie Kommandanten aus umliegenden Gemeinde- und Werkfeuerwehren der Generalversammlung bei. Nach dem Tätigkeitsbericht von Stadtbrandmeister Peter Hecker, wurde die Feuerwehr in der Gesamtgemeinde zu 370 Einsätzen gerufen, wozu Brände, Verkehrsunfälle, Unwetterereignisse oder Fehlalarmierungen zählten. Mit 154 Angehörigen der einzelnen Feuerwehrabteilungen wurden diese Einsätze bewältigt, teilweise nahezu einen ganzen Tag am Stück. Zu den größten Einsätzen, die glücklicherweise nicht auf Wieslocher Stadtgebiet stattfanden, wurde die Wehr 2008 in umliegenden Gemeinden gerufen. Neben einem Brand in Walldorf wurde die Wehr in Reilingen bei dem größten Brandereignis der letzten Jahre eingesetzt. Hecker hob hier besonders den einzelnen Feuerwehrangehörigen hervor und was einem solchen während eines Einsatzes durch den Kopf gehe. So denke eine jeder daran, wie es während eines Unwetters um das eigene Heim stehe, worin sich während eines Sturm- oder Starkregenereignis die restliche Familie aufhalte. Der Stolz darauf  Bestandteil einer starken Wehr zu sein, spiele daneben auch eine Rolle in der Denkweise eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau, genauso wie die Sorge davor nach stundenlangen Lösch- und Aufräumarbeiten am Arbeitsplatz müde zu erscheinen und trotzdem die gleiche Leistung zu erbringen wie die anderen Arbeitnehmer. Für den unermüdlichen Einsatz seiner Mannschaft bedankte sich der Stadtbrandmeister ausdrücklich und freute sich gleichzeitig ihre durchaus gefährliche Arbeit mit der Auslieferung der letzten Bestandteile ihrer neuen Einsatzuniform ein Stück sicherer gemacht zu haben. Gegen Ende seiner Ausführung ging Hecker auf die oben genannte, bereits begonnene Ersatzbeschaffung ein, indem er nachdrücklich die Notwendigkeit des neuen Fahrzeugs in Hinblick auf die Fortentwicklung der Wehr und den Ersatz eines mittlerweile über 30 Jahre alten Fahrzeugs unterstrich. Mit dem Fahrzeugkonzept spare die Stadt eine noch teurere doppelte Beschaffung in wenigen Jahren, die im Falle einer Aussetzung der Beschaffung notwendig würde. Er verglich die Finanzierung und Instandhaltung einer Feuerwehr in finanziell angespannten Zeiten der Stadt Wiesloch mit den Rettungsboten und Fluchtwegen eines untergehenden Ozeanriesen, die gerade in solchen Situationen von besonderer Bedeutung seien.
 
Sein Appell an Bürgermeisterin Hänsch lautete daher, die Feuerwehr in dieser Angelegenheit zu unterstützen und die Notwendigkeit des Fahrzeugs im Nachtragshaushalt deutlich zu machen. Schließlich wagte der Feuerwehrleiter einen Ausblick auf das laufende Jahr. Demnach werde zum Beispiel die Ausbildung in Modulweise in weitere Abteilungswehren ausgeweitet sowie ein Feuerwehrbedarfsplan ausgearbeitet. Die Neukonstituierung des Gesamtausschusses habe bereits stattgefunden und die Arbeit in den einzelnen neu gebildeten Fachgebieten habe bereits begonnen.
Dem Stadtbrandmeister folgend berichtete Stadtjugendfeuerwehrwart Christoph Achsenick für das vergangene Kalenderjahr. So zählt die Wieslocher Feuerwehr in  der Jugendarbeit zu den führenden Wehren im Umkreis, sie zählt derzeit 93 Kinder und Jugendliche.
Die Kameraden der Alterswehr stellen von der Gesamtzahl der 274 Angehörigen ein Zehntel mit 27 Mitgliedern. Für diese Altersgruppe wurde der neue Altersobmann Werner Filsinger vorgestellt. Für die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Gerätewarte sprach Gerätewart Rolf Krämer. Er schilderte die unterschiedlichen Aufgabenbereiche und die Schnittstellen in den Tätigkeiten. Beispielweise werden durch die ehrenamtlichen Gerätewarte Umbauarbeiten an Fahrzeugen, Gerätschaften oder Gerätehäusern vorgenommen, die aufgrund der Masse nicht oder nur durch Fachfirmen mit teuren Aufträgen durchgeführt werden könnten. Auch in diesem Bereich trägt Wieslochs Feuerwehr maßgeblich zu Einsparungen für die Stadt und deren Steuerzahler bei.Auch Ehrungen und Beförderungen standen auf der Agenda der diesjährigen Hauptversammlung. Für die Feuerwehrabteilung Frauenweiler wird in den nächsten fünf Jahren Christian Schlund einen Sitz im Feuerwehr-Gesamtausschuss inne haben. Aufgrund ihrer Dienststellung als Abteilungskommandanten in Baiertal und Schatthausen wurden Werner Gefäller und Jochen Ihle zu Brandmeistern befördert. Beide leiten mit viel Geschick und Fleiß die beiden Wehren, wofür Ihnen Stadtbrandmeister Hecker ausdrücklich dankte. Zu den Geehrten zählten Volker Schmitt und Michael Raab. Ihnen wurde für die zehnjährige Ausübung des Amtes als stellvertretender Abteilungskommandant der Abteilungswehr Frauenweiler bzw. der 15 jährigen Tätigkeit des Schriftführers gedankt.Das Ende der Generalversammlung bildeten verschiedene Grußworte. Zunächst ergriff hier  Wieslochs Bürgermeisterin Ursula Hänsch das Wort. Sie äußerte sich zur finanziellen Situation der Stadt, der sprichwörtlich momentan die Hände gebunden sein. Deshalb würden momentan lediglich laufende Ausgaben finanziert und abgeschlossene Verträge erfüllt. Die Ersatzbeschaffung des bereits mehrfach angesprochenen Löschgruppenfahrzeugs, dessen europaweite Ausschreibung in diesen Tagen zu Ende geht, werde demnach im Nachtragshaushalt durch den Gemeinderat geprüft. Dessen Notwendigkeit habe sie jedoch eindeutig erkannt. Desweiteren sprach sie sich dafür aus, dass notwendige Ausstattung kein Luxus sei. Sie setzte sich bereits in den vergangenen Jahren für die Einführung der neuen Einsatzkleidung ein, auf die nun komplett umgestellt wurde. Für das Engagement im Einsatz- und Übungsdienst, die Bereitschaft Opfer zu bringen, sich fort- und weiter zu bilden bedankte sich Frau Hänsch auch bei den Partnerinnen und Partner der Feuerwehrleute, die oftmals auf die Anwesenheit des oder der Liebsten verzichten müssen. Mit Blick auf die furchtbaren Ereignisse in  Winnenden und Wendlingen, aber  auch auf den tragischen Todesfall eines wieslocher Jugendlichen an Fasching betonte sie, wie wichtig eine nachhaltige Jugendarbeit ist. Die Jugendfeuerwehr sei in diesem Sinne eine Organisation die Kinder und Jugendliche das ganze Jahr über fordere, was immens wichtig sei. Unterkreisführer Jürgen Förderer schloss sich seinen Vorrednern und den Stimmen verschiedener Kameraden an und sprach ebenfalls von der Unaufschiebbarkeit der Ersatzbeschaffung. Er wies daneben auf die Maßnahmen anderer Gemeinden hin, die aus den Mitteln des Konjunkturpakets II der Bundesregierung Fahrzeuge und Gerätschaften für die Feuerwehren beschafften. Er sprach den Kameraden aus Wiesloch und den Stadtteilen für ihr Engagement in ihren Wehren und im Unterkreis seinen besonderen  Dank aus. Stadtbrandmeister Peter Hecker schloss die Sitzung mit einem Appell an seine Wehrleute: Gerade in Zeiten knapper Kassen mit vielen Entbehrungen und Kompromissen, seien Tatkraft und Ideenreichtum ganz besonders gefragt. Da die Wehrleute in beidem erfahren seien, werde man die Krise nicht nur beklagen, sondern im eigenen Bereich und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mithelfen, diese zu überwinden.
Geschrieben von Marco Friz
Bearbeitet am Montag, 30 März 2009
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