Feuerwehrausbildung bei Backofentemperaturen

Um den Gefahren des Feuerwehralltags zu begegnen, bedarf es bei den freiwilligen Feuerwehren einer umfangreichen Ausbildung. Neben den Schwerpunkten der allgemeinen technischen Hilfeleistung und technischen Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen wird sich auch ständig auf Gefahrtstoffunfälle und Brandeinsätze vorbereitet.
Dabei stellen gerade Brände die ehrenamtlichen Helfer vor große mentale und körperliche Herausforderungen. Im Notfall, wenn die Einsatzkräfte aus der Freizeit oder vom Arbeitsplatz aus ins Feuerwehrhaus eilen, muss alles blitzschnell gehen. Eilig wird sich in die Uniformen geworfen und anschließend mit den umluftunabhängigen Atemschutzgeräten  auf dem Löschfahrzeug ausgestattet. Naturgemäß schnellt dabei der Puls der Floriansjünger enorm in die Höhe. Am Einsatzort eingetroffen, entscheidet der Gruppenführer über Taktik und Angriffsweg und schickt Teile seiner Mannschaft mit Schläuchen und Rettungsgerätschaften in das bis dahin noch unbekannte Gebäude. Ab einem gewissen Punkt sind die Lösch- oder Rettungstrupps nun enormer Hitze, extrem schlechter Sicht und einer ungewohnten Umgebung ausgesetzt. Je nach Auftrag gelten nun die schnellstmögliche Rettung vermisster Personen oder die Bekämpfung von Flammen und Rauch.
Dabei riskieren Feuerwehrfrauen wie –männer ein ums andere Mal ihre eigene Gesundheit und ihr Leben.
Um das Restrisiko so gering wie möglich zu halten, wird bei der Wieslocher Feuerwehr auf verschiedene Ausbildungsbestandteile gesetzt. Neben Taktik- und Technikschulungen für alle Einsatzkräfte zählt seit neuestem ein weiterer Baustein zur Ausbildung. Die Realbrandausbildung in holzbefeuerten Containern sorgt für ein gutes Abbild der Realität im Brandeinsatz. Hier werden Abläufe der Brandentstehung und -ausbreitung sowie wichtige Indikatoren bevorstehender Gefahren demonstriert und das richtige Verhalten gelehrt. Am vergangenen Wochenende konnten 15 Atemschutzgeräteträger der Kernstadtwehr an einem solchen Lehrgang auf der schwäbischen Alb teilnehmen. Bei der Firma Erhatec in Breithülen erwarteten verschiedene Container und erfahrene Ausbilder die Wieslocher Feuerwehrleute.
Zunächst wurden Grundlagen der Strahlrohrbedienung und der Fortbewegung im Brandeinsatz gelehrt. Dabei zeichnete sich die Ausbildung auf Standortebene bereits aus, bauten die Inhalte des Lehrgangs doch genau auf Standards der Weinstadt-Feuerwehr auf. Kurz nach dem ersten Abschnitt durften die Teilnehmer direkt ins „Warme“, in einen der zahlreichen Überseecontainer.  Dort wurden Phänomene wie die Rauchgasdurchzündung, der gefürchtete „Flash-Over“, also den schlagartigen Übergang eines Schadenfeuers von der Entstehungsphase hin zur Vollbrandphase, und die Eigenschaften verschiedener Rauchschichten demonstriert. An der Decke des Containers entstanden so Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius, die hörbar den Schnee auf der Containerdecke zum Kochen brachten. In der Hocke ließen sich die immer noch sehr heißen „Backofentemperaturen“ dabei sehr viel eher ertragen, wenngleich die Feuerwehruniform an der einen oder anderen Stelle durch die Hitze zu zwicken begann.
Am Nachmittag konnte von jedem Teilnehmer die Arbeit des Rauchgaskühlens ausprobiert werden, um die Gefahren im Innenangriff künftig noch schneller zu erkennen und angemessen dagegen einzuwirken. Desweiteren wurde in den Trupps das richtige Eindringen in einen Brandraum mit Temperaturcheck, Türprozedur und dem Benetzen von nicht in Brand geratenen Gegenständen geübt. Nach einem anstrengenden aber umso lehrreicheren Ausbildungstag konnten die Wieslocher Feuerwehrleute ihre Rückfahrt antreten.
Die Kenntnisse des Lehrgangs fließen in die Ausbildung der Wieslocher Feuerwehr ein und werden dafür sorgen, dass die Einsatzkräfte im Ernstfall noch routinierter zu Werke gehen. Dadurch wird die Sicherheit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte und damit auch der Bevölkerung weiter erhöht. Für dieses Jahr ist ein Besuch einer weiteren Gruppe der Wieslocher Feuerwehr geplant.

Geschrieben von Marco Friz
Bearbeitet am Sonntag, 26 Februar 2012
Gelesen 1492