3 - Kriegsbedingte Einsätze


Datum: 01.01.1945, 01:00 Uhr
Einsatzort: Wiesloch & Umgebung

Änderte sich während der Zeit des Nationalsozialismus‘ schon sehr viel im Aufbau und der Organisation der Feuerwehren in Deutschland, so forderten die letzten Kriegsjahre die Feuerwehrleute in ganz besonderem Maße. Stark dezimierte Feuerwehreinheiten, deren Ausrüstung durch Rohstoffmangel, Beschädigung und anders gesetzte Prioritäten oft unzureichend war, wurden mit furchtbaren Einsätzen nach Bombenangriffen konfrontiert. Besonders hart traf es die Stadt Mannheim.

Im Rahmen des Zivilschutzes bildete die Wieslocher Feuerwehr gemeinsam mit den Feuerwehren aus Nußloch, Rauenberg und Mühlhausen die „Kreisbereitschaft II“ des Landkreises Heidelberg. Diese bestand aus zwei Löschgruppen mit jeweils neun Feuerwehrmännern. Leiter war der damalige Kommandant und Kreisfeuerwehrführer-Stellvertreter Ludwig Sauer aus Wiesloch.

Berufung des Rechnungsführer August Sauer durch das Landratsamt

Sie werden hierdurch als  R e c h n u n g s f ü h r e r   der Kreisbereitschaft II bestätigt. Die Bereitschaft II besteht aus den Kraftspritzen der Freiw. Feuerwehren Wiesloch, Nussloch, Rauenberg und Mühlhausen mit je zwei Gruppen ( 18 Mann ). Führer der Bereitschaft II ist Kreisführer-Stellvertreter Wehrführer Sauer in Wiesloch.

Je zwei Reservegruppen (18 Mann) haben nötigenfalls die Freiw. Feuerwehren Walldorf, St. Ilgen, Dielheim und Baiertal zu stellen.

Ihre Aufgabe ist es, bei längerem Einsatz die Bereitschaft am Einsatzort zu betreuen, in der Hauptsache für deren Unterkunft und Verpflegung zu sorgen. Wegen weiterer Orientierung wollen Sie sich mit dem Bereitschaftsführer in Verbindung setzen. Dieses Schreiben wollen Sie als Ausweis mit sich führen. Eine Armbinde „Hilfspolizei“, die Sie beim Einsatz tragen müssen, wollen Sie, sofern diese Ihnen noch nicht zugestellt ist, beim Bürgermeister dort anfordern.

Einsätze nach Bombenangriffen

Nach Unterlagen des Wieslocher Stadtarchivs war die Wieslocher Feuerwehr nach den schweren Bombenangriffen auf Mannheim im Jahr 1943 an folgenden Tagen im Einsatz:

-    17. April                         5.00 Uhr bis 21.00 Uhr,       
-    10. August                     4.25 Uhr bis 21.00 Uhr,
-    05./06. September          1.00 Uhr bis 22.00 Uhr,   
-    23./24. September        12.30 Uhr bis 20.00 Uhr,
-    18./19. November         23.00 Uhr bis   7.00 Uhr,
-    30. Dezember                 1.30 Uhr bis 21.00 Uhr.   

Am 23. und 24. April 1944 kam sie nach einem Fliegerangriff auf Heidelberg zum Einsatz.

1945 sind in den Unterlagen drei Ereignisse dokumentiert:

20. Januar 1945: Das Schwere Löschgruppenfahrzeug (LF 15) wurde an diesem Tag in Leimen in einen Unfall verwickelt. Auf der Fahrt zu
einem Einsatz nach Mannheim scherte ein gerade überholter LKW aus
und rammte das Feuerwehrfahrzeug.
 
01./02. März 1945:  Die Wieslocher Feuerwehr wurde mit dem LF 15 nach Bombenangriffen erneut in Mannheim eingesetzt. Der Bereitschaftsführer schlägt dem Kreisfeuerwehrführer drei Wieslocher Feuerwehrleute „für ihren besonderen Mut und große Ausdauer“ für eine Auszeichnung vor. Die drei Vorgeschlagenen waren bis zu diesem Zeitpunkt bei jedem Einsatz beteiligt.

19. März 1945: Das LF 15 wurde durch Bordwaffenbeschuss beim Staatsbahnhof Wiesloch/Walldorf beschädigt.

Fliegerangriff auf die Heil- und Pflegeanstalt

Während der Kriegsjahre diente die „Heil- und Pflegeanstalt“ (heute Psychiatrisches Zentrum Nordbaden) auch als Lazarett und „Ausweichkrankenhaus“ des städtischen Krankenhauses Mannheim. Insgesamt waren etwa 2.400 Menschen auf dem Anstaltsgelände untergebracht. Am Nachmittag des 20. März hatte ein Bomberverband mit etwa 17 Maschinen die Klinik überflogen und war schon in der Gegend von Heidelberg, als dann noch zwei oder drei, vermutlich angeschossene Maschinen ihre tödliche Fracht abwarfen.

Bericht des Anstaltsdirektors an das badische Innenministerium in Karlsruhe

Am 20. März ds. Jrs. mittags gegen 12 Uhr überflog ein feindlicher Bomberverband die Anstalt  und warf in südlich-nördlicher Richtung etwa 30 Sprengbomben mittleren Kalibers ab. Eine Bombe zerstörte den Maschinenraum mit Spülküche und den westlichen Essensausgabeschalter der Kochküche, eine weitere Bombe zerstörte die Wohnung des Med. Rats Dr. S. im Ärztewohnhaus I. Mehrere Bomben fielen auf und um den südlichen Teil des Krankenhauses FU 2, sodass dieser Teil des Gebäudes völlig in sich zusammenstürzte. Da auch sofort starke Flammen hervorschlugen, muss angenommen werden, dass auch Brandbomben das Gebäude getroffen hatten. Die übrigen Bomben fielen in die Anlagen sowie auf das freie Feld und verursachten geringere Gebäudeschäden und größere Zerstörungen in der elektrischen Lichtleitungsanlage, den Parkanlagen und zwei Brüche in der Wasserleitung.
Die Anstaltsfeuerwehr und alle verfügbaren Hilfskräfte der Anstalt wurden sofort eingesetzt und die freiwillige Feuerwehr von Wiesloch zu Hilfe gerufen. Mit vereinten Kräften gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Aufräumungsarbeiten gingen bis in die späte Nacht hinein und werden auch heute noch fortgesetzt.
Zu meinem großen Leidwesen haben bei dem Angriff acht bewährte Gefolgschaftsmitglieder ihr Leben lassen müssen. [Es folgt dann die namentliche Aufzählung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der beiden getöteten Patienten]. Die Verletzten aus der Reihe des Personals und der Patienten befinden sich auf dem Weg der Besserung, Lebensgefahr besteht bis jetzt bei keinen.

Im folgenden Schriftverkehr wird den Fragen nachgegangen, weshalb es trotz des ausgelösten Fliegeralarms so viele Opfer gegeben hat, wie der Fliegeralarm auf dem Anstaltsgelände normalerweise ausgelöst wird und ob nicht der Rauch des Heizungsschornsteins während eines Alarms eingestellt werden könne, um die Bomberverbände nicht zusätzlich „anzulocken“. Über den Einsatz der Anstaltsfeuerwehr und der Wieslocher Feuerwehr nach diesem Bombenangriff gibt es in den Akten keine Unterlagen.


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