1 - Hochwasser 1920


Datum: 01.08.1920, 01:00 Uhr
Einsatzort: Wiesloch

Schweres Hochwasser 1920


Anlässlich des schweren Hochwassers im Jahr 1969 erinnerte die „Wieslocher Woche“ daran, dass Stadt und Umland vor fast 50 Jahren schon einmal von einem solchen Unglück heimgesucht worden waren.
Sie zitiert dabei einen Bericht der „Wieslocher Zeitung“, aus dem hervorgeht, dass bei Naturkatastrophen schon damals auf die Schlagkraft der gut organisierten und effizienten Feuerwehr zurück gegriffen wurde.


„Wieslocher Woche“ vom August 1969 (auszugsweise)
Mehrere regenreiche Tage hatten dem Angelbach sowie dem Leimbach derartige Wassermassen zugeführt, dass die B.che über die Ufer traten, die Ortschaften überschwemmten und schweren Schaden
anrichteten. „Heute Nacht zwischen 2 und 3 Uhr“, so meldete das Blatt an jenem Tag „wurde die Einwohnerschaft hier alarmiert, da namentlich die Unterstadt, haupts.chlich durch die von dem
Angelbach gebrachten ungeheuren Wassermassen, in Gefahr war“. Der Angelbach, so war zu lesen, überschwemmte von Waldangelloch bis Rotenberg nicht nur den ganzen Bahnkörper, sondern richtete auch
in den Ortschaften, vor allem in Mühlhausen großen Schaden an. Dort hingen sogar die Bahnschienen in der Luft. Zu den Schreckens- meldungen des Tages gehörte die Heimsuchung des landwirtschaftlichen Lagerhauses auf der Spitze hinter dem Bronnerschen Anwesen (heute Stadt-Galerie), wo in den unteren
R.umen reichlich lagernde Düngemittel durch hereinbrechende
Wassermassen unter starker Gasentwicklung aufgelöst wurden, riesige Zerstörungen am Bahndamm und die vollständige Unterbrechung des Zugverkehrs zum Staatsbahnhof. Unterhalb der Sandgrube in der Kurve gegen die Güterhalle, so meldete das Wieslocher Blatt, wurde der Bahndamm zum Teil vollständig weggespült, „so dass die Schienen auf etwa 100 Meter Länge frei in der Luft hängen“ Wie nochmal im Jahr 1969 erlebt, führte damals der Leimbach ungeheure Wassermassen mit sich und trat mehrfach über die Ufer. In Wiesloch überschwemmte er den Gerbereigraben, der beim Dörndl in den Leimbach fließt, die Ringstraße und Keller der Unterstadt. In gro.er Gefahr schwebte auch die Postmühle. Am nächsten Morgen war das ganze Stadtgebiet im Westen bis zur Roßrucker‘schen Fabrik voll- ständig überschwemmt und die Straße unpassierbar. „Die beiden zu Strömen angeschwollenen Bäche vermochte das Leimbachbett zwischen Postmühle und Dornmühle nicht zu fassen. Es kam zum Dammbruch, die Feuer- und Wasserwehr mussten erneut alarmiert werden und neben der Dornmühle und dem E-Werk war auch das ganze Staatsbahnhofgebiet gefährdet.
Die Chemische Industrie der Geschwister Eisenbeiß stand vollständig unter Wasser. Unter Wasser stand auch die dortige Metallwarenfabrik, so dass der Betrieb vorübergehend stillgelegt werden musste. Ab der
Bahnstation Wiesloch schließlich musste der gesamte Zugverkehr auf der Linie Heidelberg – Karlsruhe unterbrochen werden, nachdem der Bahnkörper von der Tonwarenindustrie bis Rot-Malsch unter Wasser
stand und von dort bis Mingolsheim mehrfach unterspült worden war. [..] In einem Schreiben an den damaligen Bürgermeister Walter bat die Chemische Fabrik Geschwister Eisenbeiß darum, den Angehörigen der Wasser- und Feuerwehr „unseren verbindlichsten Dank“ auszusprechen. Ihrer raschen Entschlossenheit verdanke die Firma, dass wenigstens der Viehbestand gerettet werden konnte. Zum Beweis ihrer Dankbarkeit übersandte sie per Postscheck den damals respektablen Betrag von 500 Mark.[..]

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